Nürnberg hat eine eigene Bieridentität: das Nürnberger Rotbier, ein untergäriges, kupfer- bis bernsteinfarbenes Bier mit malzbetontem Charakter. Die wichtigste Rotbier-Adresse ist die Hausbrauerei Altstadthof in der Bergstraße 19 am Fuß der Kaiserburg, gegründet 1984. Daneben prägen Schanzenbräu, Tucher und kleinere moderne Brauer die heutige Bierlandschaft.

Blick über die Dächer der Nürnberger Altstadt
Nürnberg ist nicht Bamberg, aber als Bierstadt und Ausgangspunkt für Ausflüge wird die Stadt oft unterschätzt.

Was Nürnberg als Bierstadt auszeichnet

Nürnbergs eigener historischer Bezug ist das Rotbier. Dazu kommen die Felsengänge unter der Altstadt, in denen Bier gelagert wurde, und eine heutige Mischung aus Hausbrauerei, Produktionsbrauerei, Wirtshaus und kleinen modernen Produzenten. Diese Kategorien helfen mehr als eine lange Liste von Marken: Nur ein Teil der Orte ist eine Brauerei, die Besucher ohne Termin betreten können.

Weinstadel, Wasserturm und Henkersteg an der Pegnitz in Nürnberg
Weinstadel und Henkersteg an der Pegnitz, mitten in der Altstadt.
Steinkrug mit der Aufschrift „Das gute Zirndorfer Kellerbier“
Nürnbergs Bierseite ist urbaner als in vielen Dorfregionen, aber nicht weniger fränkisch.
Nürnberger Bratwurst als klassischer Begleiter zum Bier
Wer Nürnberg über Bier verstehen will, kommt an Bratwurst nicht vorbei.

Rotbier und Felsengänge

Die Stadt regelte bereits im frühen 14. Jahrhundert, welches Getreide zum Brauen verwendet werden durfte. Unter der Altstadt wurden in Sandstein geschlagene Keller für Lagerung und Reifung genutzt. Bei einer Führung durch die historischen Felsengänge wird dieser Zusammenhang räumlich verständlich; eine Führung ist ein eigenes buchbares Angebot und kein frei zugänglicher Hinterraum jedes Wirtshauses.

Rotbier bezeichnet heute ein untergäriges, kupfer- bis bernsteinfarbenes Bier mit deutlichem Malzcharakter. Die genaue Rezeptur unterscheidet sich zwischen Brauereien. Farbe und Herkunftsbezug sind hilfreicher als die Behauptung, ein einziges Glas repräsentiere den gesamten historischen Stil.

Altstadthof: Brauerei und Geschichtszugang

Die Hausbrauerei Altstadthof liegt in der Bergstraße am Rand der Altstadt. Dort treffen eigener Ausschank, Rotbier und der Zugang zu Führungen durch die Felsengänge zusammen. Deshalb ist sie für einen ersten Besuch besonders verständlich: Bier und Lagergeschichte liegen am selben Ort. Führung und Gastronomie bleiben getrennte Angebote und sollten auch getrennt reserviert beziehungsweise geprüft werden.

Logo der Hausbrauerei Altstadthof mit dem Schriftzug „Nürnberger Stadtbier“ an einer Innenwand
Der Altstadthof ist eine der wichtigsten Adressen, wenn man Nürnberger Rotbier direkt in der Altstadt verstehen will.
Bier in der Hausbrauerei Altstadthof
Rotbier und Felsenkeller sind in Nürnberg kein Nebenthema, sondern Teil der Stadtgeschichte.
Beleuchteter Gang in den Nürnberger Felsenkellern
In Nürnberg führt Biergeschichte oft unter die Stadt, in die alten Felsenkeller.

Schanzenbräu, Orca und Tucher

Schanzenbräu begann 2004 in einem Hinterhof im Stadtteil Bärenschanze; seit 2016 braut es in der eigenen Brauerei in Höfen, ausgeschenkt wird unter anderem in der Schankwirtschaft in Gostenhof. Ein Schanzenbräu-Ausschank im Stadtgebiet und der Produktionsstandort sind nicht dasselbe. Orca Brau steht für eine jüngere, wechselnde Produktpalette; aktuelle Ausschank- und Verkaufsmöglichkeiten kommen direkt vom Betrieb.

Titelseite der Speisekarte im Tucher Mautkeller
Die Speisekarte des Tucher Mautkellers begrüßt die Gäste im „Mautkeller Brauhaus“.
Bier im Tucher Mautkeller
Für Besucher ist der Mautkeller praktisch: zentral, historisch und klar in der Nürnberger Bierlandschaft verankert.
Fränkisches Essen im Tucher Mautkeller
In Nürnberg gehören Bier und Küche oft enger zusammen, als eine reine Brauereiliste zeigt.

Tucher braut als größere Brauerei im Zwei-Städte-Sudhaus an der Grenze von Nürnberg und Fürth; sein Rotbier entsteht im 1899 erbauten Sudhaus am Schillerplatz. Der Tucher Mautkeller am Hallplatz ist ein Brauhaus im historischen Gewölbe der Mauthalle und braut seine Hausbiere vor Ort.

Ein Tag mit zwei Bierkontexten

TagesabschnittInhalt
VormittagKaiserburg, Altstadt und eine vorab gebuchte Felsengang-Führung
MittagRotbier und Essen im Altstadthof oder ein anderer Altstadt-Ausschank
NachmittagStadtmuseum, Germanisches Nationalmuseum oder weiterer Stadtrundgang
Abendentweder Gostenhof/Schanzenbräu, ein aktuelles Orca-Angebot oder Mautkeller

Der Abendpunkt ist eine Auswahl. Mehrere Brauereien nacheinander sind weder nötig noch besonders hilfreich, um die Unterschiede zwischen Produktion, Marke und Wirtshaus zu verstehen.

Nürnberger Rostbratwürste auf Kartoffelsalat, dahinter ein Schäufele mit Kloß
Wirtshausessen zum Bier: Rostbratwürste mit Kartoffelsalat, dahinter Schäufele mit Kloß.
Abendstimmung in Nürnberg
Nürnberg funktioniert besonders gut, wenn man Stadtbesuch und Bierkultur nicht getrennt denkt.

Volksfest und Altstadtfest

Das Nürnberger Volksfest findet als Frühjahrs- und Herbstausgabe am Dutzendteich statt. Das Altstadtfest nutzt im September Plätze und Inseln im Zentrum. Beide bieten Bier, Essen und Veranstaltungen, sind aber verschiedene Feste an verschiedenen Orten. Jahresdaten, Programm und Verkehrsregelungen veröffentlicht jeweils der Veranstalter. Außerhalb der Festtermine bleiben Rotbier, Felsengänge und die regulären Betriebe die eigentlichen Gründe für einen Bierbesuch.

Ausflüge ab Nürnberg

Vom Hauptbahnhof fahren Züge nach Bamberg, Forchheim und Erlangen; nach Weißenohe fährt die Gräfenbergbahn ab Nürnberg Nordost, das die U2 erreicht. Das sind mögliche separate Tagesausflüge. Das ist ein Verkehrsvorteil der Stadt, kein Teil eines Nürnberger Brauereirundgangs. Wer nur einen Tag in Nürnberg hat, bleibt in der Stadt. Wer mehrere Nächte bleibt, wählt pro Tag höchstens eine dieser Regionen und sucht die vollständige Hin- und Rückfahrt für das konkrete Datum.

Quellen

Verwendete offizielle Quellen: