Ja — aber nur wenn man weiß, was Franken ist. Es ist keine Bierstadt wie München mit einer Handvoll großer Brauereien. Es ist eine Region mit ca. 305 kleinen Familienbrauereien, historischen Bierkellern und einer Bierkultur die im Alltag der Menschen lebt, nicht für Touristen inszeniert wurde. Wer das sucht, findet nirgendwo sonst Vergleichbares.
Was Franken nicht ist
Franken ist kein Oktoberfest. Es gibt kein Riesenzelt, keine Maß für 15 Euro, keinen berühmten Hauptbahnhof mit Fotoopportunität. Wer so etwas sucht, fährt nach München.
Franken ist auch kein Craft-Beer-Mekka. Es gibt keine Tap-Rooms mit 30 IPAs. Was es gibt, sind Kellerbier und Rauchbier in Wirtshäusern in denen dieselben Familien seit Generationen brauen.
Was Franken ist
Franken ist die Region mit der höchsten Brauereidichte der Welt. Oberfranken allein hat ca. 170 aktive Brauereien für 1,1 Millionen Einwohner. Kein anderer Ort auf der Erde hat das. Das ist keine Marketingaussage, das ist eine Tatsache die mit dem Guinness-Buch belegt ist (Aufseß, vier Brauereien für ca. 1.500 Einwohner).
Das bedeutet konkret: In einem 6 x 6 km Raster über Oberfranken liegt im Durchschnitt eine Brauerei. Wer durch die Fränkische Schweiz fährt, kommt alle paar Kilometer an einem Gasthof mit eigenem Bier vorbei. Diese Brauereien brauen für das Dorf, nicht für die Welt. Sie stehen nirgendwo in internationalen Bierführern. Sie öffnen wenn der Bauer Zeit hat und schließen wenn das Bier alle ist.
Bamberg als Einstieg
Bamberg ist der beste Einstiegspunkt, weil es kompakt ist: zehn aktive Brauereien innerhalb der Altstadt, alle zu Fuß. Das Rauchbier im Schlenkerla ist polarisierend (viele lieben es, manche brauchen zwei Versuche), aber es ist irreversibel: wer einmal Schlenkerla getrunken hat, versteht was gemeint ist mit "Bierkultur die nirgendwo anders so existiert".
Von Bamberg aus öffnet sich die Region: Forchheim (18 Min. Zug), Fränkische Schweiz (Mietwagen), Aufseß (Weltrekord-Gemeinde), Fünf-Seidla-Steig (Wanderweg mit fünf Brauerei-Stopps).
Die ehrliche Warnung
Wer nach Franken kommt und erwartet, dass Brauereien und Bierkeller reibungslos für Touristen funktionieren, wird manchmal enttäuscht werden. Öffnungszeiten sind unregelmäßig, Keller öffnen nur bei gutem Wetter, manche Wirtshäuser haben keinen englischen Wein auf der Karte. Das ist kein Mangel — es ist das Wesen der Sache. Eine Brauerei die seit 1579 existiert (Hebendanz in Forchheim) hat ihren Betrieb nicht für internationalen Tourismus optimiert. Das ist genau warum sie interessant ist.
Für wen lohnt sich die Reise?
- Für Biertrinker die über Mainstream-Bier hinausgehen wollen
- Für alle die Kellerbier und Rauchbier an der Quelle probieren wollen
- Für Wanderer die Biergärten als Etappenziel schätzen
- Für Reisende die unverstellte Alltagskultur suchen statt Tourismusinszenierung
- Für alle die Bamberg noch nicht kennen
Fazit
Franken lohnt sich, wenn man weiß was man sucht. Als Bierregion ist es für den, der kleine Familienbrauereien, Kellerbier und Bierkultur-Authentizität sucht, unübertroffen. Als Touristenziel mit Komfort und Programm ist es nur in Bamberg und Nürnberg zuverlässig. Dazwischen liegt das Interessanteste — und das braucht etwas Eigeninitiative.